Hier die ersten Eindrücke
aus Quito, Hauptstadt von Ecuador:
Vogelgezwitscher wie im
Frühling, Autoalarmanlagen (sehr komische Abfolge von unterschiedlichen Tönen),
Sirenen, Flugzeuge, Hupen, Hundebellen.
Rundum hohe Berge, die in
den Wolken hängen. Blauer Himmel. Strahlend hellgrünes Gras, von der Sonne
erwärmt, und ein bisschen härter als das in unserem Garten, ich würde mal sagen
robuster. Als ich barfuss darüber gelaufen bin, hat es sich angefühlt wie eine
Fußmassage. Dieser Teil von Quito finde ich sehr grün und es hat eine Menge
schöner Blumen, die ich nicht kenne.
In der Sonne ist es richtig
heiß, fast jeder von uns Freiwilligen hier hat nach dem ersten Tag an
irgendeiner Stelle seines Körpers Sonnenbrand. Es ist angenehm windig und ohne
Sonne frisch…eben wie Frühling bei uns. Hier sagen alle, Quito sei kalt. Wir
konnten das am Anfang gar nicht nachfühlen, bei Schnee und Eis in Europa.
Die Stadt ist RIESIG, ich habe sie vom Flugzeug bei Nacht von
oben gesehen, ein riesiges Netz aus orange farbigen Linien.
Bisher habe ich von dieser
Stadt allerdings erst einen winzigen Ausschnitt gesehen. Einen vom wohlhabenden Quito. Es gibt auch
andere Stellen, von denen ich aber noch nichts sagen kann.
Nach einer Reise von
insgesamt über 24 Stunden bin ich in der Nacht vom 14. auf den 15. Januar 2013
endlich in Quito angekommen. Die erste Station für mich und die 4 anderen
Freiwilligen aus Deutschland ist die „Misión Carmelita“. Es sind außerdem noch
5 weitere Freiwillige aus Europa und den USA da und 3 Leiter des
Orientierungsseminars. Zu meinem Freiwilligendienst gehören nämlich eine
„pädagogische Begleitung“ und mehrere Seminare (10 Tage hatten wir in
Deutschland, 4 Tage hier, dann noch mal nach einem halben Jahr und am Ende,
dann Rückkehrseminar in Deutschland etc ;))
Wir lernen hier etwas über
Verhaltensweisen der Freiwilligen gegenüber der Gastfamilie und des Projekts,
die angemessen wären und die besser unterlassen werden sollten. Wir sprechen
über „Freiwilligendienst“ und das Wort „Entwicklung“, über das, was auf uns
wartet und das, was wir in Ecuador alles unternehmen können. Über Geschichte, Wirtschaft und Politik Ecuadors. Wir lernen, den
Stadtplan lesen, als wir in Grüppchen losgeschickt wurden, bestimmte Ziele zu
finden. Wir bekommen einen Vorgeschmack von ecuadorianischem Essen :)
Die nächsten zwei Wochen
bestehen aus Spanisch-Kurs. Der ist inklusive und wir alle machen ihn. Darum
besteht er aus zwei Gruppen, eine für die Anfänger und einen für die, die schon
ein paar Spanisch-Kenntnisse von früher haben wie ich.
Da der Spanisch-Kurs in
Quito stattfindet, mein Projekt und meine Gastfamilie aber in Ambato sind (etwa
2,5 Stunden entfernt), habe ich hier in Quito eine vorübergehende Gastfamilie
für diese 2 Wochen:
Anabel (eine unserer
Spanischlehrerinnen) und Edi mit den zwei Töchtern Thaíz (5 Jahre) und Aylin (6
Monate)!! So süß :) Ich fühle mich wohl, genieße das Essen und die schöne
Familienatmosphäre, die mit zwei kleinen Mädchen herrscht, habe mein eigenes
Zimmer und Bad (das mit dem heißen Wasser funktioniert nicht so wirklich..)
Am Wochenende wurden mir
auch schon gleich 2 schöne Familienunternehmungen gezeigt: „Baby Shower“ – eine
Party, die immer stattfindet, wenn eine Frau kurz davor ist, ihr Baby zu
bekommen. Besteht aus: Viel Familie, viel süßer Deko, sehr sehr vielen Snacks und
Drinks, einer Person im Comic-Kostüm (in diesem Fall Minnie-Maus) uuund nicht
zu vergessen vielen lustigen Spielen, bei denen ich eher nur zum Teil verstehen
konnte, was zu tun ist…
Es war auf jeden Fall schön,
dass viele mich angesprochen haben. Zu meiner Herkunft, wie lange ich in
Ecuador bin und vor allem, eine immer gestellte Frage, wie es mir gefällt :)
Dabei wurde ich entweder mit Bienvenidos (Willkommen) oder mucho gusto (schön,
dich kennenzulernen) oder ähnlichem verabschiedet :)
Sonntag sind wir in den Park
„La Carolina“ gefahren, der größte Park in Quito. Am Wochenende ist er voll von
Familien, Kindern, Essenständen. Es kann Tretboot gefahren werden, es gibt
einen richtig schönen Skate-, GMX-, Inliner-Park, und unendlich viel grüne
Wiese und große Bäume. Man vergisst ganz, in was für einer großen Stadt und
inmitten wie viel Verkehr man sich befindet. Und auch, dass das nicht Europa
ist, habe ich in diesem Park nicht fühlen können. Zumindest tagsüber. Nachts sollte man nicht
mehr durch den Park laufen, die Räuber verstecken sich anscheinend auf den
Bäumen…
Des Weiteren:
- Es sind zu manchen Zeiten
mehr Taxis als andere Autos auf den Straßen
- Man sieht viele große und
teure Autos, eigentlich wie zu Hause
- Die Straßen sind nicht
gerade für Fußgänger gemacht…außer vielleicht für die unzähligen Verkäufer und
Straßenkünstler, die mitten im Verkehr ihr Geschäft verüben.
- Oder man trifft sie in den
Bussen, was ich bis jetzt sehr unterhaltsam finde
Nachtrag: Heute fand ich das nicht. Heute habe ich zum ersten Mal ein Kind als Verkäufer gesehen.
- Für Verkäufer ist es kein
Problem, einfach in den Bus zu steigen und wenn sie fertig sind, wieder
auszusteigen, weil die Vordertür in den meisten Bussen durch Quito einfach
offen bleibt und man bei Gelegenheit (z.B. roter Ampel) ein- und aussteigen
kann
- Kosten für Busse innerhalb
Quitos: 25 cents !! (Währung ist hier der us-amerikanische Dollar)
- Es gibt auch die 3
Hauptbuslinien, die bei Stoßzeiten so voll sind, dass man froh ist, wenn man
überhaupt noch rein passt
- Man sollte beim Laufen
immer auf den Gehweg schauen, man weiß nie, wo eine Stufe, wo ein Loch oder wo
ein Hundehaufen ist…natürlich auch auf Verkehr achten
- Adressen bestehen hier aus
2 Straßennamen, das gesuchte Gebäude liegt dann dazwischen. Ich glaube, weil
nicht jedes Haus eine Nummer hat.
- Meine Gastfamilie hat das
gleiche Telefon wie wir zu Hause...da fühlt man sich doch gleich gar nicht mehr so fremd
Essen und Trinken
Erster Eindruck: Es gibt zu
jedem Essen Reis. Ob morgens, mittags oder abends. Vorzugsweise mit Hähnchen.
Ansonsten mit lecker Fisch, Meeresfrüchten oder Fleisch. (Nein, Hähnchen ist
kein Fleisch ;))
Fest dazugehören auch die
Suppen. Ich finde jede Suppe bis jetzt überragend. Das alles soll sich aber
nicht so anhören, als ob die Küche hier eintönig sei. Meine Gastfamilie kocht
viel „typisch ecuadorianische“ Sachen, wie sie das Essen selbst nennen und es
ist jedes Mal etwas neues, leckeres :)
Am allerallerbesten sind
aber die Früchte und Fruchtsäfte! Das, was wir an Exotischem in Deutschland
haben ist nur ein Bruchteil von dem, was alles möglich ist (und zudem wohl auch
nicht so süß und aromatisch wie hier).
Ich habe schon neu entdeckt:
-
tomate del árbol
(Baumtomate)
-
sehr, sehr
leckere Mini-Mangos
-
guava (eine
riesig lange, grüne Frucht, wie eine riesige Bohnenstange, mit schwarzen
Kernen, von denen man die weiße, flauschige Hülle essen kann)
-
capuli (eine Art
kleine Kirsche, seehr lecker)
-
babaco (habe ich
bisher nur als Saft getrunken, mmmh)
-
pitahaya (ist
wohl gut für die Verdauung, meinte meine Gastmutter)
- daxo (ähnlich
Passionsfrucht, aber länglicher und eigentlich auch anderer Geschmack)
 |
Eine guava von innen |
Was ich allerdings noch
nicht verstehe, ist, warum man hier z.B. gesalzene Mangostückchen kaufen kann…
Oder Kaba mit Käse!
Eine Banane kostet
übrigens zwischen 5-10 cents. Dagegen Sonnencreme
ab 10-15 dollar…
Was als nächstes so
passieren wird:
- In 2 Wochen geht’s nach
Ambato in meine endgültige Gastfamilie und in mein Projekt, in dem ich ein Jahr
lang als Freiwillige arbeite, das "Instituto de Educación Especial Ambato", eine Schule für Kinder mit verschiedenen Behinderungen.
- Februar ist Fastnacht, auf
das sich zumindest von der kleinen Thaíz kräftig gefreut wird und in Ambato ist
das bekannte und beliebte Fest „Flores&Frutas“.
- Im Februar wird der neue
Flughafen außerhalb Quitos offiziel eröffnet. Es wird wohl aber in der Praxis noch länger dauern, bis der neue Flughafen in Betrieb gesetzt wird. (Bisher ist der Flughafen mitten
in der Stadt, was ihn zu einem der schwierigsten Flughäfen der Welt zum landen
macht und einigermaßen laut und gefährlich ist. Ist aber irgendwie auch ein
cooles Gefühl, wenn ein Flugzeug zum Greifen nahe über deinem Kopf hinweg
fliegt.)
- Im Februar sind
Präsidentschaftswahlen. Bis jetzt ist Rafael Correa Präsident des Landes und
bleibt es mit aller Wahrscheinlichkeit auch. Das liegt zum einen daran, dass er
relativ beliebt ist und in seiner Amtszeit von jetzt 6 Jahren auch einiges
bewegt hat. Zum Beispiel hat er die ersten öffentlich-rechtlichen Medien eingeführt.
Ebenso findet man natürlich einige Beispiele seines politischen Handelns, die
man hinterfragen sollte. Zum anderen gibt es keine starke Opposition, die ihn
ablösen könnte. Stattdessen 7 mehr oder weniger bekannte Konkurrenten. Aber wir
werden das Ergebnis ja bald sehen :)
Ganz liebe Grüße von der
Mitte der Erde. Ihr hört bald Neues :)